You may say I'm a dreamer (but that's manchmal harte Arbeit)

Auszug aus dem Newsletter August 2024

 

Nach der Europa- und Dresdner Kommunalwahl saß der Schock in meiner Bubble - und auch bei mir - tief. Viele fühlten sich gelähmt von den Wahlergebnissen, indem eine Partei so gut abschnitt, die ganz offen gegen viele (als selbstverständlich angenommene) Grundwerte unserer Demokratie wettert. Kurz zuvor erst hatte ein Recherche-Team einmal mehr offen gelegt, wie menschenfeindlich die Mitglieder dieser Partei denken und es waren deutschlandweit hunderttausende auf die Straße gegangen. Und jetzt doch so ein Ergebnis? Wie konnte es dazu kommen?
Ich glaube, es war die Schriftstellerin Juli Zeh, die sich als erste vehement dafür aussprach, dass es endlich eine Abkehr von den vielen in der Tat erschlagenden Krisennachrichten bräuchte, und wir endlich wagen dürfen, neue Visionen zu erträumen. Viele stimmten ihr zu.
Auch ich. Nur ...
Die Sache ist ja die: Das Erträumen von einer besseren Welt geht noch relativ leicht, aber an diesen Visionen festhalten und konkret an ihrer Umsetzung zu werkeln, das ist harte Arbeit. Es braucht viel Standhaftigkeit, sich nicht von Sätzen wie "Warum müssen wir das jetzt ändern? Es ging doch sonst auch!?" erschüttern zu lassen, wenn man zum Beispiel gegen krankmachende Strukturen ankämpft. Generell wird dabei übergangen, dass ein "Das ging sonst auch" nicht gerade ein Qualitätsmerkmal darstellt und selten wirklich die angestrebten Ziele unterstützt. Bei diesen Zielen muss es noch nicht mal um das Wohl der gesamten Menschheit gehen, viele erleben solche kraftzehrenden Momente in ihrem ganz konkreten Arbeits- und/oder Familienumfeld. Ignoriert wird hier freilich auch, dass es eben nur deshalb "sonst auch ging", weil an anderer Stelle große Opfer gebracht wurden. Nicht immer freiwillig.
Wie schön wäre es, wenn wir da alle gemeinsam unsere Angst vor dem Unbekannten, die uns an den zerstörerischen Strukturen festhalten lässt, gegen eine neue Lust an genialen Ideen und Träumen eintauschen könnten? Wenn wir wieder Mut finden, einfach mal was auszuprobieren? Wenn wir uns neu nach einer Version unserer (ganz persönlichen Lebens-)Welt ausstrecken, an der wir wirklich, wirklich so richtig gerne mitwirken?


Wie werden wir dafür also nun standhaft genug? Weiß ich auch nicht so ganz genau. Ich bin mir aber ziemlich sicher: nicht allein.
Lasst uns neue Bündnisse schmieden. Nicht, um gemeinsam gegen etwas zu sein, sondern weil wir gemeinsam für etwas sind. Denn natürlich, Wut ist grundsätzlich erst einmal ein legitimes Gefühl, oft gar ein notwendiges! Aber wie schön wäre es denn, wenn wir die geballte heiße Wut nehmen, um eine visionäre Dampfmaschine damit anzutreiben?

Lasst uns gemeinsam an bahnbrechenden Erffindungen tüfteln, Geschichten von waghalsigen Unternehmungen erzählen, gemeinsam auf gedankliche Entdeckungstour gehen und dabei -allen Hatern zum Trotz - die pure Freude an hehren Zielen nicht verlieren.

 

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